Twentyfour Ads

Horden von beladener Xmas-Stress-Shopper toben durch die Innenstadt. Und man selber mitten drin. Hamster im Rädchen. Skier in der Loipe. Man muss ja was kaufen. Doch so mancher wurde sicher aus seinem Shopping-Trott gerissen, als an der Bushaltenstelle, am Wegrand nicht die übliche Kate Moss oder Mr. Not-Maybe ihn begrüßten.

Es scheint als wäre der altbewährte Bilderadventskalender dieses Jahr wieder im kommen. In Hamburg inszenierten Künstlern an jedem Dezemberztag Kunstwerke in den ‚City Light’ Werbeflächen an verschiedenen Orten der Stadt. So ging jeden Tag im Schaufenster des Konsums ein vorweihnachtliches Türchen mit beeindruckenden Kunstwerken auf, die teilweise weit über gängige Streetart hinaus gingen.

Der Zeitraum der Aktion setzt das Adbusting der ‚City Light’ in einen unmissverständlichen Kontext. Selbst im Alltag gibt es kaum Momente in denen man nicht bewusst oder unbewusst von Werbung umringt ist und man nicht von einer Flut von Marken und Produktempfehlungen überrollt wird. Aber besonders die Weihnachtszeit avanciert immer mehr zum Fest des Einzelhandels.

So waren diese Lichtblicke im sich immer mehr ausbreitenden Kampagnen Meer der ‚City Lights’ auch eine Reminder mit welcher Selbstverständlichkeit wir das ganze annehmen. Allerdings wurden die Werbeplakate nicht einfach durch Streetart Icons und Grafitti Alter-Egos ersetzt und mit etwas Anarcho-Gesellschaft-und-Kosumkritiker-Romantik bestrichen, um so dem großen Besserwisser-Zeigefinger von oben herab zuwinken. Die Aktion bestand viel mehr aus 24 Augenblick, die angenehm subtile und unterschwellig ihre jeweils eigene Botschaft enthielten und vermittelten, oder auch nicht. Die Bilder bestanden aus reduzierten, klaren visuellen Statements und in Farben verpackte Emotionen. Der Ort und aktuelle Werbeplakate wurden spannend aufgegriffen. Vor allem viel auf, was aus dem Medium ‚City Light’ raus geholt, wie damit gespielt werden kann. So mancher Werber mag gestutzt haben.

Für den einen war es ein schönes Bild oder eine humorvolle Konsumkritik mit Augenzwinkern. Für uns war es der gelungenste Adbust des Jahres. Keine Selbstinszenierung. Keine Selbstprofilierung. Keine über allem schwebende Lifestylekritik. Denn auch wir mussten schnell weiter, um uns in die nächste Kassenschlage zu stellen. Vielleicht ist einfach eine Frage des Bewusstseins. 

ML 

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