Joney Interview


 2009 schrieb die DeBug folgendes über Joneys Album ‚Violent Jazz’:
„Jonas Schiefferdecker aus Hamburg releast mit dieser EP definitiv die herausragendsten Dubstep-Monstertracks, die mir aus Deutschland bislang begegnet sind. Und das nicht nur, weil sie so slammen, sondern weil dahinter soviel Vielseitigkeit steckt, dass man bei jedem Track eine völlig eigene Welt entdeckt und die einen immer in ihren Trümmern sprachlos zurücklässt. Brilliante Platte, wenn ich nur wüsste, wo sie eigentlich rauskommt. Ist aber auch egal. Denn hören kann sie ja jeder auch auf Soundcloud. Monster!“
 

Was ist passiert seit dem phänomenalen De:bug Review deines letzten Albums?


Der Begriff ‚Dubstep’ hat seid dem stark gelitten. Allgemein würde ich sagen, dass ich nicht mehr hinter dem stehe was die Mehrheit heute darunter versteht und erwartet. Für mich ist das Thema insofern durch, als das Dubstep sich in der Realität komplett von seinen Wurzeln entfernt hat. Es ist weder ‚Dub’ noch ‚Step’. Das macht aus dem Begriff alleine eine leere Hülse.

 Aber selbstverständlich habe ich mich gebauchpinselt gefühlt und hatte das Gefühl, etwas bewegen zu können. Das Review hat mich sehr motiviert meine zweite EP zu produzieren. Insgesamt ist seit dem vieles ins Rollen gekommen. Einige Crews haben sich gebildet, die Leute haben sich formiert und die Beziehung zum Pudel hat sich entwickelt. Es ist eine Plattform entstanden auf der ich meine Musik präsentieren kann. Ich kann tagsüber Beats bauen, und sie abends im Club spielen.

 Musikalisch hat sich ebenfalls viel getan und gewandelt. Ich habe diverse Remixe gemacht und habe einen Track zu einem Saturate Sampler mit Tracks unter anderem von Om Unit beigesteuert. 2010 habe ich meine EP „Live Young Die Hard“ fertig gehabt, die ist allerdings bis heute unveröffentlicht. Eine sehr persönliche und fast politische Platte, die man auf Soundcloud hören kann. Nichts desto trotz gab es auch darauf große Resonanz. Besonders der Track ‚Elect the Unexpected’, der unteranderem von Alec Empire gediggt wurde, hat täglich über 100 hörer. Soundtechnisch war die EP eine Weiterentwicklung. Spaßenshalber wird die Musik als Oi-step oder Karate-Step beschrieben. Ein Track der EP hat es allerdings auf mein kommendes Mini-Album auf Saturate Records geschafft, „Razorblade & Pancake“. Ein sehr wichtiger Track für mich, weil die Drums größten teils live eingespielt sind und viel Herzblut eingeflochten wurde. Deswegen kommt er auch an siebter stelle auf dem Release. 7 ist meine Glückszahl irgendwie.

 

Das heißt das nächste Kapitel Joney ist bereits in der Mache. Wann kann man dein Mini-Album erwarten und wo erscheint es?


Es wird im Dezember auf Saturate Records veröffentlicht. Das Artwork und Mastering stehen bereits. Die dazu gehörige Single wird von Pudel Produkte auf Staatsakt über Rough Trade Vertrieb herraus gebracht. Auf dem Album ist allerdings ein Edit – auf der Pudel Produkte 18 das „Original“ von „Oh Allright“.

 

Wie kam es zu diesem ehrenwerten Release auf Pudel Produkte?


Das war eine ziemlich witzige Story bei einer eigenen Veranstaltung von uns im Pudel. Da am selben Tag Skrillex in der Stadt spielte, haben wir der Veranstaltung den Namen ‚illex’ verpasst und haben den Onlineflyer aus Ergebnissen einer Googlebildersuche mit den Stichwörtern ‚goth’ und ‚ugly’ und einer Skrillex Montage zusammen gebastelt. Wir haben also eine Art Skrillex Verarschparty gemacht. Es lief Deephouse und World Music. Es reichte ja nicht, dass etliche Skrillex Fans kamen, wie man am Merchandise unschwer erkennen konnte. Nein, Skrillex kam später sogar höchst persönlich in den Pudel, samt Manager und einer Traube Menschen. Die Promoter/innen gingen davon aus, es handele sich um eine Aftershow Party. Also stand dort „der kleine Igel“ Skrillex im Raum und wollte gerne auflegen. Doch der Pudel hatte, abgesehen von unserem mangelnden Interesse daran, keine 2000er CD Player mit USB Eingang…An dem Abend habe ich „Oh Allright“ das erste Mal gespielt. Boys Noize, der ebenfalls mit Skrillex angereist war, sprach mich daraufhin an. Er wollte den Track gerne für BNR haben. Allerdings hatte Ralf Köster hat an dem Abend schon lauter geschrien, und sich das Lied für die Pudel Produkte 18 gesichert. Der Pudel ist eine Art zweites Zuhause für mich. Es ist eine große Ehre quasi in die Fußstapfen von Shackleton, Daedalus, DJ Koze, Helge Schneider und Konsorten zu treten, die auch alle auf Pudel Produkte veröffentlicht haben.

 

Wann darf man die Scheibe erwarten?


Im Dezember, kurz vor dem Mini-Album Release hoffentlich! Die Platten müssten jetzt gerade in der Pressung sein. Masterings und Cover sind auf jeden Fall ober feinstens! Alltime favourite Jivan Frenster hat sich darauf verewigt. Mehr wird nicht verraten. Davor, am 07.12. kommt noch ein Track von mir, ‚Elbillharmonie’, auf einer Split mit Rampue über Audiolith raus. Dieser ist wiederum ein krasser Kontrast zum Album und zum Pudel Produkte Release. ‚Elbillharmonie’ ist ein Rave Knaller – gefühlvoll weggetretene,  etwas verballerte Tanzmusik im 4 to the Floor Gewand.

 

Nach deinem bereits erwähnten Sampler Release auf Saturate Records im letzten Jahr und der auch danach anhaltenden engen Verbindung zu dem Label bahnte sich dein Album Release darauf ja förmlich an. Wie ist dieser enge Austausch entstanden?


Saturate Records ist ein großartiges, junges Label mit zahlreichen richtungsweisenden Releases. Gerade geht der G Jones Release bei Bandcamp durch die Decke. Mein erster Kontakt mit Saturate war 2011. Ich bin auf dem ‚Generation Bass’ Blog  auf ein Video von Krampfhafts ‚Spit Thunder’ Track, der auf Saturate rauskam, gestoßen und war total begeistert davon. Das war das Beste was ich seit Jahren gehört hatte. Nach 3 Jahren endlich etwas komplett freshes. Vom Sound Design her, Drum Programmierung – Ein quasi neues Kapitel in der Clubmusik. Dadurch habe ich Saturate entdeckt. Ich wusste zu Anfang erst gar nicht, dass die sogar aus Hamburg kommen. Wir haben dann eine Veranstaltung mit Krampfhaft im Uebel & Gefährlich gemacht und seit dem machen wir viele gemeinsame Dinge. Ich freu mich sehr dort mein Mini-Album zu releasen.

 

Du sprichst immer von Mini Album? Was meinst du damit und warum ist es kein ausgewachsenes Album?


Es ist mehr als eine EP, aber kein ganzes Album. Mit einer Spielzeit von über 30min, wäre es im Grindcore oder Hardcore allerdings sicher ein vollständiges Album.

 

Was ist die Geschichte hinter deinem Album? Wie sind die 9 Tracks entstanden? Steckt dahinter ein Konzeptalbum?


Nein, es ist kein Konzeptalbum. Es ist ein rundes, sehr ehrliches Album. Es ist eine Auswahl der Produktionen aus 2012. Es zeigt und spiegelt einerseits die Einflüsse der letzten Zeit wieder, aber auch meiner Art bestimmte „Genres“ zu verwursten. Juke, Trap, Glitch-Hop, Future Garage, … Es gibt ja viele Etiketten, auf die man trotz aller Vorurteile gerne einen eigenen Stempel drücken darf. Somit soll das Release auch keine Momentaufnahme sein, sondern man soll es auch in 10 Jahren noch hören können, ohne zu denken, man habe es mit dem typischen 2012 Sound zu tun.

 

Würdest du das auch als dein Markenzeichen und Style beschreiben? Der humorvolle Umgang mit Klischees und Einstellungen?


Es geht mir wenn überhaupt darum, Klischees auseinanderzunehmen und Konventionen zu zerbröseln, zu entlarven und das was gefällt neu einzubinden. Der kreative Umgang mit etablierten Sounds und eine Neuformuliereung oder Zusammensetzung kann sehr viel Spaß machen. So ein bisschen die Grenzen Sprengen oder die Erwartungen, das ist schon wichtig. Ich versuche Abwechslung hinein zu bringen und mit den Beats auch gerne über den Tellerrand zu produzieren. Trotzdem geht man natürlich gerne einen Schritt auf den DJ zu, was Arrangements und Sounddesign betrifft. Ich will die Dinger ja auch selber auflegen. Trotzdem find ich die Idee gut, auf den Dancefloors etwas mehr Wohnzimmer zu droppen und in den Wohnzimmern etwas mehr Dancefloor. So wird  zum Beispiel in dem vorhin erwähnten Track ‚Razorblade and Pancake’ eine Art Garage Beat mit Orchester Instrumenten, wie Pauken, Xylofon und kleinen Trommeln ergänzt. Das sind die Wohnzimmer Komponenten, die dann auf der Tanzfläche landen.

 

Besonders bei deinem Track ‚Oh Allright’ der über Pudel Produkte veröffentlicht wird spürt man eine sehr humorvolle und freche Art mit musikalischen Mittel zu kommunizieren!


Ja, der Track nimmt sich selbst und so einiges auf die Schippe. Er besteht lediglich aus 3 Spuren. Einem Synthie, einer Drum Spur (Bass Drum und Snare) und einem gepitchten Vocal aus zwei Wörtern – Kaum Hall, kaum Delay. Er bringt damit auf den Punkt, wie wichtig Timing und Rhythmus sein können. Aber auch wie effektiv ein Sinus Bass bei 140 Klischee bpm doch ist, ohne Gewobbel. Musikalisch hab ich mich etwas von dem Trap Phänomen inspirieren lassen, das vor 1,5 Jahren erste Vorzeichen hinterließ. Damals kursierten ein paar MP3s , u.a. Harlem Shake von Baauer in einer Demo Version und einige mehr. Die allerdings waren teilweise etwas überladen. Die sirenenartigen Sounds mit dicken 808 Bässen, haben aber schon sehr gebockt und im Club stets gut aufgewirbelt.

 

Und damit war Trap auf dem Zettel für dich?


Die Trap Schublade war innerhalb eines viertel Jahres auf und auch wieder zu, schallt es aus Internetplattformen. Da wird sehr viel Lärm gemacht. Ob Juke, Post Dubstep, Trap, Hip Hop – Ein dicker Beat bleibt ein dicker Beat. Viele sehen das offensichtlich als etwas sehr ernstes an. Ich denke eher, dass die 130 bis 170 bpm sehr gewonnen haben, weil unglaublich gute Produktionen schon jetzt über diese „Welle“ an Land getrieben werden, bzw. in die Clubs. Gemessen an der Anzahl an Leuten, die sich darüber echauffieren, ist der Kreis an Produzenten und Crews recht lütt – by the way.

 

Da klingt eine sehr enge Beziehung zur Musik durch. Was bedeutet Musik für dich und wie wirkt sich das auf deine Intension beim produzieren aus?


Musik ist für mich Kommunikation. Was ich produziere, muss ich selbst mögen. Meine Releases sind allerdings nicht dafür gemacht, um dazu traurig rum zu sitzen. Für mich gehört eine Packung Energie dazu, ob im Club, auf Konzerten oder auf Festivals. Musik darf für mich nicht langweilig oder rein funktionsorientiert sein. Allerdings hab ich auch Schwierigkeiten mit zu „verkopften“ Werken: ‚Je weniger Leute das verstehen um so besser’. Musik ist in meiner Realität irgendwo zwischen Showbiz, HFBK und geschlossener Anstalt. Abstraktion ist mir sehr wichtig. Wenn ich produziere versuche ich irgendwann nur noch Sachen wegzunehmen und wegzunehmen bis das bleibt, ohne das es nicht geht. Bei mir ist jeder Sound gewollt. Ich bin seit 15 Jahren Drummer und habe meine Wurzeln in Orchestern, Jazz Projekten und Hardcore Bands. Da ist sicherlich überall etwas hängen geblieben. Musik sollte in meinen Augen vor allem ehrlich sein.

 

Vielen Dank Joney für dieses spannende Gespräch. Wir freuen uns sehr auf deine kommenden Releases und auf dein Set bei der kommenden eatthebeat am 10.11.

Nach dem Interview spielte er uns folgende Hörprobe seines viel versprechenden Albums zu:

 

Release dates:

5.12. – Audiolith Singel ‘Elbillharmonie’ mit Rampue

15.12. – Singel ‘Oh Allright’ auf Pudel Produkte

21.12. – Album ‘Illowhead’ auf Saturate Records

 

ML